Innerhalb von 72 Stunden haben in zwei Demokratien die Verlierer erklärt, ihnen sei der Sieg gestohlen worden.
Am Sonntag, 25. Oktober, verlor Flávio Bolsonaro die Stichwahl in Brasilien gegen Luiz Inácio Lula da Silva mit rund 4,4 Millionen Stimmen Rückstand.1 Er erklärte, das Ergebnis sei „unmöglich“ anzuerkennen, und kündigte an, Lulas Sieg vor dem Obersten Wahlgericht aberkennen zu lassen.2 Als Gründe nannte er Machtmissbrauch und Stimmenkauf durch die Regierung sowie eine kurzfristige Verlängerung der Öffnungszeiten, die allerdings auch sein eigenes Lager beantragt hatte.3 Einen Tag später sagte Donald Trump: „Ich habe keine Seite gewählt, aber es sah aus wie eine weitere manipulierte Wahl.“4 Belege nannte er keine.3
Am Mittwoch, 28. Oktober, einen Tag nach der Knesset-Wahl, erklärte Benjamin Netanjahus Likud: „Die Wahlen im Staat Israel wurden von arabischen Parteien gestohlen, die den Terror und die Zerstörung des jüdischen Staates unterstützen.“5 Die Jerusalem Post fügte ihrem Bericht einen Satz hinzu: Die Vorwürfe seien nicht unabhängig überprüft, und es sei kein Beleg veröffentlicht worden, dass arabische Parteien das Ergebnis systematisch manipuliert hätten.5
Das Muster ist nicht neu. Es folgt einem Drehbuch, das sich in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern wiederholt hat.
Netanjahu steht in diesem Text im Mittelpunkt, aus zwei Gründen. Er und sein Likud benutzen das Drehbuch nun zum dritten Mal in sieben Jahren. Und mehrere, die es anderswo benutzt haben, gehören zu seinen engsten Verbündeten: Donald Trump, die Familie Bolsonaro, der Rumäne George Simion. Netanjahu hat das Drehbuch nicht erfunden. Er ist einer der Knotenpunkte des Netzwerks, in dem es weitergereicht wird.
Das Drehbuch in fünf Schritten
Vorher ankündigen. Lange vor der Auszählung wird gesät, dass betrogen werden wird.
Einen Täter benennen. Meist eine Gruppe, die ohnehin als fremd markiert ist: Minderheiten, Migranten, „die Globalisten“.
Einen echten Einzelfall finden. Es gibt bei jeder Wahl Unregelmäßigkeiten. Einer davon wird zum Beweisstück.
Aufblasen. Aus dem Einzelfall wird ein System, aus dem System eine „gestohlene Wahl“.
Ernten. Ziel ist nicht Aufklärung, sondern Zweifel an jeder Regierung, die ohne einen zustande kommt.
Netanjahu: dreimal in sieben Jahren
2019: Die Kameras. Am Wahltag im April 2019 wurden in Wahllokalen in Nazareth, Sakhnin, Majd al-Krum, Tamra, Taybe und Rahat, alles Orte mit arabischer Mehrheit, rund 1.200 versteckte Kameras gefunden.6 Dahinter steckte die PR-Agentur Kaizler Inbar. Sie bekannte sich auf Facebook dazu („ja, wir sind schuldig“) und schrieb, sie habe mit dem Likud nicht nur die Kameras verteilt, sondern auch mehr als 1.300 Aktivisten in die Wahllokale geschickt.6 Ein Likud-Funktionär schilderte der Times of Israel später, die Agentur habe rund 1.200 Aktivisten aus national-religiösen Jeschiwot rekrutiert, mit versteckten Körperkameras ausgerüstet und als Wahlvorstands-Vertreter in arabische Orte geschickt. Beaufsichtigt habe das Programm Likud-Minister Joav Gallant, der Netanjahu regelmäßig unterrichtete.7 Offiziell ging es um den Schutz vor Wahlbetrug. Nach der Wahl prahlte die Agentur aber, die Aktion habe zur niedrigsten arabischen Wahlbeteiligung „seit Jahren“ geführt.6 Als Erfolg nannte sie also nicht verhinderten Betrug, sondern weniger Wähler. Für die Wiederholungswahl im September 2019 verdoppelte der Likud laut Times of Israel das Budget des Programms.7
Schon 2015 hatte Netanjahu am Wahltag in einem Video gewarnt, arabische Wähler strömten „in Massen“ an die Urnen, und seine Anhänger zur Stimmabgabe aufgerufen. Später entschuldigte er sich.8
2021: Der „größte Betrug in der Geschichte der Demokratie“. Im Juni 2021 schmiedeten Naftali Bennett und Jair Lapid eine Koalition gegen Netanjahu, erstmals seit Jahrzehnten mit einer arabischen Partei, Ra’am. Netanjahu nannte das „den größten Wahlbetrug in der Geschichte des Landes, meiner Meinung nach in der Geschichte jeder Demokratie“.9 Dabei wurde kein einziger Zählfehler behauptet. Der „Betrug“ bestand darin, dass Wahlsieger eine Koalition bildeten, die Netanjahu nicht passte. Die Times of Israel schrieb damals: Netanjahu wisse, dass er kein Opfer von Wahlbetrug sei.10 Die New York Times zog fünf Monate nach dem Sturm auf das Kapitol den Vergleich: „Für Netanjahu, wie für Trump, kann nur ‚Betrug‘ seine Niederlage erklären.“11
Was in dieser Erzählung fehlt: Netanjahu selbst hatte 2021 als Erster um Ra’am geworben, bevor die Partei zu Bennett und Lapid ging.12 Laut Times of Israel bot er Ra’am-Chef Mansour Abbas sogar weitreichende Zuständigkeit für Fragen der arabischen Bevölkerung an.13
2026: „Gestohlen“. Die dritte Runde folgte dem Drehbuch Schritt für Schritt.
Schritt 1, ankündigen: Am Morgen des Wahltags berichtete Haaretz, der Likud schicke bezahlte Teams los, die arabische Wähler filmen, und könne die Aufnahmen als falschen Beleg für eine Manipulationserzählung nutzen.14 Die Times of Israel meldete unter Berufung auf Likud-Mitarbeiter, die Partei habe besprochen, im Fall einer Niederlage zu behaupten, die Wahl sei „gestohlen“ worden.15
Schritt 2, Täter benennen: Am Wahltag veröffentlichten Netanjahu und Verbündete laut Haaretz mehr als zwei Dutzend Beiträge über eine angeblich hohe arabische Beteiligung, nannten sie einen „Notfall“ und teilten unbestätigte Bilder überfüllter Wahllokale in arabischen Städten.16
Schritt 3, Einzelfall: Am Wahltag nahm die Polizei drei Ra’am-Aktivisten unter dem Verdacht des Stimmenkaufs fest. Netanjahu sagte in einem Video, arabische Wähler im Süden „stürmen an die Urnen“, und: „Sie versuchen, uns die Wahl zu stehlen.“17 Der Verdacht betrifft drei Personen.
Schritt 4, aufblasen: Am Tag danach wurden aus drei Festnahmen „Tausende Umschläge mit Bargeld und Ra’am-Stimmzetteln“, Drohungen, Doppelstimmen und „verbotene Software“. Der Likud reichte „Hunderte Zeugenaussagen“ bei Polizei, Inlandsgeheimdienst und Wahlausschuss ein.518 Der Zentrale Wahlausschuss bestätigte lediglich den Eingang und erklärte, er prüfe die Eingabe im Rahmen des regulären Verfahrens, das allen Parteien offensteht.5 Am Wahltag hatten laut Times of Israel fast alle Parteien Unregelmäßigkeiten gemeldet, auch Netanjahus Gegner.19
Schritt 5, ernten: Rechte Abgeordnete und Minister fordern nun, sämtliche Ra’am-Stimmen für ungültig zu erklären.20 Selbst das brächte Netanjahu keine Mehrheit: Sein Lager liegt nach Auszählung von gut 97 Prozent der regulären Wahllokale bei rund 53 von 120 Sitzen.21 Würden die sieben Ra’am-Mandate auf alle übrigen Parteien verteilt, käme es auf etwa 56, weiterhin weit unter den nötigen 61. Rund 540.000 Stimmen aus Sonderumschlägen stehen noch aus. Kommt eine Regierung unter Gadi Eisenkot mit Duldung von Ra’am zustande, liefert die Erzählung bereits das Etikett für sie: eine Regierung „auf gestohlenen Stimmen“.
Talal al-Krenawi, Bürgermeister der Beduinenstadt Rahat, sagte dazu: „Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir ordentlich gewählt, mit Stimmzettel und Ausweis … Jetzt, wo wir unser demokratisches Recht ausgeübt haben, sollen wir die Wahl gestohlen haben? Wenn sie uns nicht wählen lassen wollen, sollen sie es sagen.“5
Die anderen Fälle
USA 2020. Donald Trump verlor gegen Joe Biden und behauptete flächendeckenden Betrug. Sein Lager zog in mehr als 60 Verfahren vor Gericht und verlor alle bis auf eines, auch vor Richtern, die Trump selbst ernannt hatte.22 Die zuständige Bundesbehörde für Cybersicherheit CISA, Teil von Trumps eigener Regierung, nannte die Wahl schon am 12. November 2020 „die sicherste in der Geschichte der USA“: Es gebe „keinen Beleg, dass irgendein Wahlsystem Stimmen gelöscht, verloren oder verändert hat oder in irgendeiner Weise kompromittiert war“.23 Am 6. Januar 2021 stürmten seine Anhänger das Kapitol. Der Wahlmaschinen-Hersteller Dominion, dem die Erzählung Stimmenmanipulation vorgeworfen hatte, verklagte Fox News wegen Verleumdung. Fox zahlte 2023 in einem Vergleich 787,5 Millionen Dollar.24
Brasilien 2022. Jair Bolsonaro säte laut Anklage schon ab 2021 Zweifel an den elektronischen Wahlmaschinen, als Vorwand, um eine mögliche Niederlage anzufechten.25 Nach seiner Niederlage gegen Lula beantragte seine Liberale Partei beim Obersten Wahlgericht, die Stimmen aus rund 279.000 Wahlmaschinen älterer Baujahre nicht zu werten, also aus dem größten Teil der Geräte. Gerichtspräsident Alexandre de Moraes wies das ab, weil die Partei „keinerlei Indizien“ vorgelegt habe, und verhängte gegen die Bolsonaro-Koalition wegen mutwilliger Prozessführung eine Strafe von 22,9 Millionen Reais. Das Plenum des Gerichts bestätigte die Strafe im Dezember 2022.26 Am 8. Januar 2023 stürmten Bolsonaros Anhänger die Regierungsgebäude in Brasília. Im September 2025 verurteilte der Oberste Gerichtshof Bolsonaro wegen eines Putschplans zu 27 Jahren und drei Monaten Haft.27
Peru 2021. Keiko Fujimori verlor die Stichwahl gegen Pedro Castillo mit rund 44.000 Stimmen Rückstand28, sprach von Betrug und beantragte die Annullierung von rund 200.000 bereits ausgezählten Stimmzetteln.29 Internationale Beobachter, darunter die Organisation Amerikanischer Staaten, fanden keine Belege für Betrug; USA und EU lobten den Ablauf.30 Fünf Jahre später, im Juni 2026, gewann Fujimori die Stichwahl selbst, mit 49.641 Stimmen Vorsprung vor dem linken Kandidaten Roberto Sánchez, ähnlich knapp wie 2021.31 Von Betrug sprach sie diesmal nicht. 2021 hatte sie bei einem ähnlich knappen Abstand als Verliererin Betrug behauptet, 2026 als Siegerin nicht.
Rumänien 2025. Der Rechtsaußen George Simion verlor im Mai 2025 die Wiederholung der Präsidentschaftswahl und verlangte die Annullierung, wegen angeblicher ausländischer Einmischung.32 Das Verfassungsgericht wies das einstimmig ab.33 Zum Hintergrund: Die erste Wahl von 2024 hatte dasselbe Gericht tatsächlich annulliert, nachdem freigegebene Geheimdienstberichte eine mutmaßlich russische TikTok-Kampagne zugunsten des Rechtsaußen Călin Georgescu beschrieben hatten.34
Brasilien 2026. Flávio Bolsonaro, Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten, folgte dem Muster zwei Tage vor der israelischen Wahl. Seine eigene Partei, die Liberale Partei, erkannte das Ergebnis an.3 Er selbst hielt an der Anfechtung fest und spitzte seinen Hauptvorwurf in einem Video zu: Lula habe „fast eine halbe Billion Reais öffentlicher Gelder“ für den „größten Stimmenkauf in der Geschichte“ eingesetzt.2 Belege legte er nicht vor. Formell eingeräumt hat er die Niederlage nicht.35
Zwei Tage nach der Wahl verließ er das Land. Am Tag nach der Wahl hatte der Oberste Richter Alexandre de Moraes angeordnet, dass Flávio Bolsonaro binnen 24 Stunden seine Pässe abgibt, und ihm die Ausreise verboten. Anlass ist nicht die Wahl, sondern eine Geldwäsche-Ermittlung: Es geht um mutmaßliche Verbindungen zu einem befreundeten Anwalt, dem vorgeworfen wird, über ein Betrugssystem mehr als eine Milliarde Dollar gewaschen zu haben, sowie um Millionen eines Bankiers für einen Film über seinen Vater.36 Die vertrauliche Anordnung begründete das mit Fluchtgefahr und „erheblichen finanziellen Mitteln“.37
„Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen“, sagte Bolsonaro am Montag in einem Video. „Ich werde meine Pässe abgeben.“37 Er gab sie nicht ab. Laut der argentinischen Migrationsbehörde überquerte er am Dienstag um 22:50 Uhr mit Frau und zwei Töchtern die Grenzbrücke nach Puerto Iguazú,38 mit seinem italienischen Pass.39 Vierzig Minuten später bestieg die Familie laut der Behörde einen Privatflug nach Guayaquil in Ecuador,38 von dort ging es nach Miami.37
Die Route führte über Argentinien, dessen Präsident Bolsonaro im Wahlkampf offen unterstützt hatte. Argentiniens Präsident Javier Milei war im Wahlkampf nach Brasilien gereist, trat bei Bolsonaro-Veranstaltungen auf und nannte Lula dort einen „Dieb“ und „Delinquenten“; Brasilien stufte daraufhin die diplomatischen Beziehungen herab. Nach der Wahl weigerte sich Buenos Aires, Lula zu gratulieren.38 Am Morgen nach der Grenzüberquerung hatte die Migrationsbehörde noch erklärt, ihr sei keine Einreise Bolsonaros gemeldet. Erst in der folgenden Nacht, um 2:01 Uhr, bestätigte sie die Einreise auf ihrem offiziellen Account.38 Argentinische Fernsehsender berichteten, die Wagenkolonne sei mit Eskorte der Flughafenpolizei PSA direkt aufs Rollfeld gefahren.38 La Nación meldete, Mileis Berater Santiago Caputo sei in derselben Nacht in der Grenzprovinz Misiones gewesen.39 Ein mexikanischer Anwalt aus dem Umfeld der Familie sagte im argentinischen Fernsehen, Milei sei „in die Koordinierung dieser ganzen Operation“ eingebunden gewesen. Die Regierung hat sich dazu bisher nicht geäußert, die gesamte Opposition im argentinischen Kongress verlangt Aufklärung.39 Die brasilianische Bundespolizei annullierte seine Pässe.35 Das US-Außenministerium kündigte Visa für ihn und seine Familie an,40 Trump sagte, er „würde es billigen“, dass Bolsonaro in die USA kommt: „Die Wahl war sehr seltsam.“37 Lula nannte die Ausreise „einen beschämenden Akt“.37 Bolsonaros eigenes Wahlkampf-Juristenteam erklärte danach, man werde „nichts mehr“ beim Wahlgericht einreichen. Rund 20 bereits laufende Anfechtungsklagen könnten allerdings nicht zurückgezogen werden.2
Randnotiz: Sachsen-Anhalt 2026. Auch in Deutschland ist der erste Schritt des Drehbuchs angekommen. Vor der Landtagswahl im September säte die AfD-Spitze selbst Zweifel an der Briefwahl. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte in einem Video über Pflegeheime: „Wir alle wissen es, in vielen Einrichtungen […] wurde ab und zu mal nicht immer alles dem Zufall überlassen […]. Belegen kann man das nicht.“ Parteichef Tino Chrupalla erklärte in einem Sommerinterview, er kenne Aussagen, nach denen in Pflegeheimen „der Stift sozusagen geführt wurde“, und forderte, die Briefwahl abzuschaffen. Belege legten beide nicht vor.41 Landeswahlleiterin Christa Dieckmann wies die Vorwürfe ausdrücklich zurück: Wer Briefwahl beantragt, bekommt einen Sperrvermerk im Wählerverzeichnis, eine doppelte Stimmabgabe ist damit ausgeschlossen.42
Kurz vor der Wahl kursierte dann ein Video, das angeblich zeigt, wie AfD-Stimmzettel aus der Briefwahl aussortiert und durchgestrichen werden. Es hält einer Prüfung an den amtlichen Vorgaben nicht stand: Alle drei gezeigten Wahlscheine tragen denselben Namen und dieselbe Wahlscheinnummer, obwohl jede Nummer nur einmal vergeben wird. Wahlschein und Stimmzettel stecken zusammen im offenen Umschlag, die Kreuze sind von außen sichtbar, und die rechte obere Ecke, die laut Landeswahlordnung für Blindenschablonen gelocht oder abgeschnitten sein muss, ist unversehrt.43 Verbreitet wurde es zuerst von englischsprachigen Accounts ohne jeden Bezug zu Sachsen-Anhalt. Die Rechercheprojekte Gnida Project und Cemas ordnen es der Kampagne Storm-1516 zu.44 Diese Kampagne hat die Bundesregierung im Dezember 2025 in einem förmlichen Verfahren Russland zugeschrieben. Laut Bundesnachrichtendienst führen sie sehr wahrscheinlich Angehörige eines Thinktanks von Alexander Dugin und einer vom Oligarchen Konstantin Malofejew finanzierten Bewegung durch, unterstützt vom Militärgeheimdienst GRU.45
Die AfD gewann die Wahl mit 43,8 Prozent.46 Nach dem Sieg war von Betrug keine Rede mehr. Der Fall zeigt den ersten Schritt des Drehbuchs in Reinform: Zweifel säen, bevor gezählt ist, für den Fall, dass man verliert. Wie die AfD in das Netzwerk dieses Textes passt, auch in ihrem Verhältnis zu Netanjahus Likud, ist eine eigene Geschichte. Blindfleck wird ihr einen eigenen Text widmen.
Netanjahus Bündnisse: eine politische Familie
Die Bühne: Budapest. Wo sich diese Familie trifft, lässt sich genau sagen. Am 21. März 2026, drei Wochen vor der ungarischen Wahl, lief in Budapest die Konferenz CPAC Hungary, der europäische Ableger der US-Konservativenkonferenz. Eröffnet wurde sie mit einer Wahlempfehlung Donald Trumps für Orbán. Unter den Hauptgästen: Argentiniens Präsident Javier Milei, Polens Ex-Premier Mateusz Morawiecki und die AfD-Vorsitzende Alice Weidel.47 Benjamin Netanjahu, gegen den ein internationaler Haftbefehl besteht, war vorab als Redner angekündigt.48 Er kam nicht persönlich, sondern sprach per Videobotschaft. Auf der Bühne stand sein Sohn Jair Netanjahu: „Wir haben in Europa keine besseren Freunde.“ Ungarn sei „fast wie ein zweites Zuhause“, die Gesellschaft dort „homogener“ als im von „schwacher Führung“ geplagten Westeuropa.49
Dazu kommt eine feste Struktur. Seit dem 7. Februar 2025 ist Netanjahus Likud Beobachtermitglied der Patriots for Europe, der von Orbán gegründeten Rechtsfraktion im Europäischen Parlament, als erste Partei überhaupt mit diesem Status.50 Im selben Monat besuchte eine Patriots-Delegation Israel, angeführt vom spanischen Vox-Europaabgeordneten Jorge Martín Frías, um die Bindung zum Likud zu stärken, so die Fraktion selbst.51 Sie traf die Likud-Minister Amichai Chikli, Avi Dichter und Miri Regev.52 Drei Vox-Abgeordnete der Delegation, darunter Fraktionschef Jorge Buxadé, ließen sich außerdem durch das Westjordanland führen, als Gäste von Yossi Dagan, dem Chef des Regionalrats Samaria.53 Dagan ist nicht nur Siedlerführer, sondern auch Likud-Funktionär: Er führt die Siedlergruppe „HaLikud Sheli“ (Mein Likud) innerhalb der Partei, die nach eigenen Angaben rund 8.000 Mitglieder hat, bei der parteiinternen Wahl im November 2025 150 Sitze im Likud-Zentralkomitee gewann und als zweitgrößte Gruppe der Partei gilt.54 Derselbe Dagan hatte 2023 schon den Rumänen Simion empfangen.55 Im März 2025 lud Chikli als Diaspora-Minister zu einer Konferenz gegen Antisemitismus nach Jerusalem, mit Jordan Bardella vom französischen Rassemblement National unter den Gästen. Offizielle Vertreter aus Frankreich und Deutschland sagten wegen der rechtsextremen Gäste ab.56
Budapest war für ein paar Jahre die gemeinsame Bühne dieser Bewegung: Trump, Milei, Netanjahus Lager und Teile der europäischen Rechten auf einem Podium. Drei Wochen nach der Konferenz verlor der Gastgeber die Wahl.
Die Verbindungen im Einzelnen.
Trump nannte die Wahl in Brasilien „manipuliert“, nachdem sein Verbündeter verloren hatte.4 Für Netanjahu hat er über Jahre immer wieder Partei ergriffen, oft kurz vor dessen Wahlen. In seiner ersten Amtszeit verlegte er 2018 die US-Botschaft nach Jerusalem und kündigte das Atomabkommen mit Iran.57 Zwei Wochen vor der Knesset-Wahl im April 2019 erkannte er an Netanjahus Seite im Weißen Haus Israels Souveränität über die Golanhöhen an, nach Einschätzung der New York Times „ein wertvolles politisches Geschenk“ vor der Wahl.58 Der Likud plakatierte im selben Wahlkampf einen Händedruck mit Trump über dem Slogan „Netanjahu. In einer anderen Liga“.59 2020 richtete Trump die Unterzeichnung der Abraham-Abkommen aus.60 Im Februar 2025 verhängte er per Dekret Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof und begründete das ausdrücklich mit den „grundlosen“ Haftbefehlen gegen Netanjahu.61 Im Juni 2025 forderte er, Netanjahus Korruptionsprozess „SOFORT“ einzustellen, und nannte ihn eine „Hexenjagd“.62 Im November 2025 bat er Israels Präsidenten Isaac Herzog schriftlich um eine Begnadigung Netanjahus und nannte den Prozess „ungerechtfertigt“.63 Im Februar 2026 begannen die USA und Israel gemeinsam den Krieg gegen Iran. Neun Tage vor der Knesset-Wahl sprach Trump Netanjahu seine „vollständige und uneingeschränkte Unterstützung“ aus, am Vorabend legte er nach: „Wählt Bibi Netanjahu, wir müssen die Arbeit zu Ende bringen, die wir begonnen haben!“64
Die Verbindung zur Familie Bolsonaro ist alt. Netanjahu reiste 2019 zur Amtseinführung von Jair Bolsonaro nach Brasília, eine Woche vor der israelischen Wahl im April besuchte Bolsonaro ihn in Jerusalem.65 Sieben Jahre später unterstützte Netanjahu den Sohn Flávio offen im Wahlkampf. Flávio Bolsonaro hatte Israel im Februar 2026 besucht und versprochen, Brasiliens Botschaft nach Jerusalem zu verlegen.66 Wochen vor beiden Wahlen telefonierten die zwei und versprachen, die „tiefe Freundschaft“ zu erneuern.67 Nach der ersten Runde schrieb Netanjahu öffentlich: „Best wishes for your great victory, my friend.“68
Javier Milei erhielt 2025 als erster Staatschef den Genesis-Preis einer israelischen Stiftung, unterzeichnete im April 2026 mit Netanjahu die „Isaac Accords“ und eröffnete im selben Monat Argentiniens Botschaft in Jerusalem.69 Schon kurz nach Amtsantritt kündigte er an, Hamas als Terrororganisation einzustufen, und machte seinen persönlichen Rabbiner Shimon Axel Wahnish zum Botschafter in Israel. Die Times of Israel schrieb 2024, Milei gehe in seiner Unterstützung für Netanjahus Regierung weiter „als vielleicht jeder andere Staatschef der Welt“.70 Er trat auf der CPAC Hungary auf (siehe oben), machte Wahlkampf für Bolsonaro in Brasilien, verweigerte Lula die Gratulation,38 und Bolsonaros Flucht lief über argentinisches Gebiet (siehe oben).
George Simion, der in Rumänien die Annullierung seiner Niederlage verlangte (siehe oben), traf 2023 Israels Botschafter und Yossi Dagan, der die zweitgrößte Gruppe im Likud anführt (siehe oben). Das Simon-Wiesenthal-Zentrum kritisierte das Treffen.55 Im Oktober 2026 wurden WhatsApp-Nachrichten von Jonatan Urich geleakt, einem der engsten Berater Netanjahus. Urich drohte mit Klagen gegen jeden, der sie verbreitet; Haaretz erklärte, den Leak verifiziert zu haben.71 Laut den Chats, die dem rumänischen Investigativmedium Snoop vorliegen, besprachen Urich und sein Geschäftspartner Srulik Einhorn, ebenfalls früherer Netanjahu-Berater, Tagesthemen und Strategiepapiere für Simions Partei AUR, bevor diese öffentlich wurden. Ein Treffen Einhorns mit Simion war für den 14. September in Bukarest geplant. Die AUR bestreitet einen Vertrag, räumt aber ein, Einhorn sei ihr „von jemandem aus der Likud-Führung empfohlen“ worden.72 Gegen Einhorn besteht in Israel ein Haftbefehl, die Polizei stuft ihn im Zusammenhang mit der Qatargate-Affäre als flüchtig ein.73
Die Verbindung zu Orbán reicht weit zurück. 2008 vermittelte Netanjahu ihm seine langjährigen US-Wahlkampfberater Arthur Finkelstein und George Birnbaum, die später Orbáns Kampagnen gegen George Soros entwarfen.74 Im April 2025 empfing Orbán Netanjahu trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs, und Ungarn kündigte während des Besuchs den Austritt aus dem Gericht an.75 In der EU blockierte Ungarn wiederholt gemeinsame Erklärungen und Maßnahmen, die Netanjahus Regierung kritisierten: im Februar 2024 zwei Aufrufe zu einer humanitären Feuerpause vor dem Angriff auf Rafah,76 im Februar 2026 Sanktionen gegen gewalttätige Siedler, die 26 der 27 Mitgliedstaaten unterstützten.77
Was diese Akteure verbindet, ist eine politische Familie, nationalistisch und rechtspopulistisch, mit Trump als Bezugspunkt, und Netanjahu ist einer ihrer wichtigsten Knotenpunkte: Er hat Orbán seine Berater vermittelt, Bolsonaro öffentlich Glück gewünscht, mit Milei Abkommen unterzeichnet, und aus seinem engsten Beraterkreis wurde die Partei Simions beraten. Ihre Mitglieder liefern sich gegenseitig Rückendeckung, und das Drehbuch ist unter ihnen verbreitet: Von den Verbündeten in dieser Liste haben Trump, beide Bolsonaros und Simion eine eigene Niederlage nicht anerkannt oder angefochten, und Flávio Bolsonaros Ausreise führte über Mileis Argentinien. Orbán dagegen erkannte seine Niederlage an.
Das Gegenbeispiel
Ungarn 2026. Viktor Orbán, über Jahre Vorbild der europäischen Rechten und einer der engsten Verbündeten Netanjahus, verlor im April die Parlamentswahl gegen Péter Magyar, obwohl US-Vizepräsident JD Vance noch in der letzten Wahlkampfwoche bei ihm aufgetreten war.78 Orbán räumte die Niederlage noch am Wahlabend ein, gratulierte seinem Gegner und versprach, der Nation „auch aus der Opposition zu dienen“.79 Er gehört zur selben Familie und hat das Drehbuch nicht benutzt. Eine Niederlage nicht anzuerkennen, ist eine Entscheidung.
Woran man das Drehbuch erkennt
Wird der Betrug angekündigt, bevor gezählt ist? Ein Vorwurf, der vor der Auszählung erhoben wird, kann sich nicht auf die Auszählung stützen.
Wird ein Täter benannt oder ein Vorgang? Seriöse Beschwerden nennen Wahllokale, Zahlen, Abweichungen. Die Erzählung nennt eine Gruppe.
Passt die Größe des Vorwurfs zur Größe des Belegs? Drei Festnahmen begründen einen Verdacht gegen drei Personen, keinen Beleg für eine gestohlene Wahl.
Was sagen die Stellen, die es wissen müssen? Wahlbehörden, Gerichte, unabhängige Beobachter. In den abgeschlossenen Fällen dieses Textes, in denen Verlierer Betrug behaupteten (USA 2020, Brasilien 2022, Peru 2021, Rumänien 2025), fanden sie keinen.
Würde der Vorwurf das Ergebnis überhaupt drehen? In Israel 2026 nicht.
Fußnoten
[1] NPR, 27.10.2026, „Bolsonaro’s party accepts Brazil election defeat, but he refuses to concede“ (Lula ~64,2 Mio., Bolsonaro ~59,8 Mio., TSE-Ergebnis); Rio Times 27.10.2026 („about 4.4 million votes“).
[2] O Globo, 26.10.2026, „Após derrota, Flávio diz que pedirá cassação da chapa de Lula ao TSE …“; CBN, 26.10.2026 (zunächst „impossível“ anzuerkennen, dann Ankündigung der Anfechtung beim TSE); Valor Econômico, 27.10.2026, „Após fuga de Flávio Bolsonaro, equipe jurídica descarta novas ações no TSE: ‚Não entraremos com mais nada‘“ (Zitat „quase meio trilhão de reais“, „Temos 20 ações de cassação“).
[3] NPR, 27.10.2026 (ebd.): Verlängerung der Öffnungszeiten auf Antrag Lula-Lager, Bolsonaro-Lager beantragte ebenfalls Verlängerung wegen Regen; Liberale Partei erkennt Ergebnis an; Video Montag: Aberkennung wegen „Machtmissbrauch“, ohne Belege; Trump-Zitat „I didn’t take sides, but it looked like another rigged election“, ohne Belege.
[4] Politico, 26.10.2026, „Trump says Brazil election looked ‘rigged’ after Bolsonaro loses“; Le Monde, 26.10.2026.
[5] Jerusalem Post, 28.10.2026, Shir Perets, „Netanyahu’s Likud alleges Arab parties ‘stole’ Israeli election, demands investigation“ (article-913133): Likud-Zitat, „not independently verified … no evidence … made public“, CEC-Stellungnahme, al-Krenawi-Zitat (nach Walla).
[6] Times of Israel, 10.04.2019, „PR agency takes credit for hidden cameras at Arab polling stations“ („some 1,200 concealed cameras were found at polling stations in Nazareth, Sakhnin, Majd al-Krum, Tamra, Taybe and Rahat“); Jewish Chronicle, 11.04.2019 („yes, we are guilty of this“); New York Times, 10.04.2019, „Israel Voting Cameras Lowered Arab Turnout, Netanyahu Backers Claim“ (Facebook-Post: „more than 1,300 activists“).
[7] Times of Israel, 12.08.2019, „How Likud weaponized cameras in Arab polling stations and intends to do so again“ (1.200 Aktivisten aus national-religiösen Jeschiwot, Körperkameras); Times of Israel, 04.08.2019, „Likud doubles budget for program placing hidden cameras in Arab polling stations“ (Aufsicht Joav Gallant, Netanjahu regelmäßig informiert).
[8] The Guardian, 17.03.2015, „Binyamin Netanyahu: ‘Arab voters are heading to the polling stations in droves’“; Times of Israel, 23.03.2015, „Netanyahu apologizes to Arabs for voter turnout remark“.
[9] Reuters, 06.06.2021, „Netanyahu alleges Israeli election fraud, accuses rival of duplicity“; The Guardian, 06.06.2021; VOA, 10.06.2021.
[10] Times of Israel, 19.06.2021, „Netanyahu knows he’s no victim of election fraud. So why peddle the claim?“
[11] New York Times, 08.06.2021, „For Netanyahu, like Trump, Only ‘Fraud’ Can Explain His Defeat“.
[12] Times of Israel, 05.06.2021, „Abbas: Talking with Netanyahu first legitimized Ra’am across political spectrum“; Times of Israel, 28.10.2026, „Arab parties emerge as potential kingmakers …“ („courting Abbas after the 2021 election“).
[13] Times of Israel, 11.08.2022, „Netanyahu reportedly offered Ra’am’s Abbas ‘exclusivity’ on Arab issues in coalition“.
[14] Haaretz, 27.10.2026 (Wahltag), „Netanyahu’s Likud to Film Arab Voters Outside Polling Stations, Preparing to Push ‘Rigged Election’ Conspiracy“; aufgegriffen von TRT World und Türkiye Today am selben Tag („paid teams“, „in Tuesday’s election“).
[15] Times of Israel, 26./27.10.2026, „Likud said already preparing to allege election was ‘stolen’ if Netanyahu loses“.
[16] Haaretz, 27.10.2026, „’Emergency’: Netanyahu Rails Nonstop Against Alleged High Arab Election Turnout“.
[17] Times of Israel, 27.10.2026, Liveblog „Netanyahu warns once again of Arab voters ‘racing to the ballots,’ accuses Ra’am operatives of ‘trying to steal the election from us’“; Times of Israel, 27.10.2026, „Turnout hits historic high …“.
[18] Times of Israel, 28.10.2026, Liveblog „Likud claims election ‘stolen’ by Arab parties …“ (wörtliche Liste der Vorwürfe); Haaretz, 28.10.2026 („for which it provided no evidence“).
[19] Times of Israel, 27.10.2026, „Turnout hits historic high as Israel votes; election committee rejects multiple claims of foul play“ (Yashar, Beyachad, Winter, Yisrael Beitenu, Ra’am, Hendel meldeten Unregelmäßigkeiten).
[20] JFeed, 28.10.2026, „Right demands Ra’am disqualification over bribery claims“; JPost 913133 (Rothman-Schreiben an Shin Bet).
[21] votes26.com (Hochrechnung Nehemia Gershuni-Aylho), Stand 28.10.2026 22:34 IL, 11.687/12.018 reguläre Wahllokale: rechtes Lager 53, Mitte-links 48, arabische Parteien 19; Likud 27, Ra’am 7. Nicht amtlich. Rund 540.000 Stimmen aus Sonderumschlägen (Soldaten, Diplomaten u. a.) werden ab 29.10. ausgezählt, das amtliche Endergebnis folgt.
[22] Brookings, 29.07.2024, „Trump’s judicial campaign to upend the 2020 election: A failure, but not a wipe-out“; Campaign Legal Center, „Results of Lawsuits Regarding the 2020 Elections“.
[23] CISA / Election Infrastructure Government Coordinating Council, Joint Statement, 12.11.2020; Axios, 12./13.11.2020, „Department of Homeland Security calls election ‘the most secure in American history’“.
[24] Dominion v. Fox News, Delaware Superior Court; Vergleich am 18.04.2023, unmittelbar vor Prozessbeginn, über 787,5 Mio. USD. AP, 18./20.04.2023, „Fox, Dominion reach $787.5M settlement over false election claims“; Washington Post, 18.04.2023.
[25] BBC, 10.06.2025, „Bolsonaro denies involvement in alleged coup plot“ („The prosecution alleged Bolsonaro’s claims of voter fraud started as early as 2021 as a pretext …“).
[26] TSE, 23.11.2022, „Moraes condena coligação Pelo Bem do Brasil por litigância de má-fé e aplica multa de R$ 22,9 milhões“ (R$ 22.991.544,60); TSE, 15.12.2022, „TSE confirma multa de R$ 22,9 milhões ao PL por litigância de má-fé“ (keine Indizien vorgelegt); JC/UOL, 23.11.2022, und Exame, 22.11.2022 (Antrag auf Nichtberücksichtigung der Stimmen aus rund 279.000 Wahlmaschinen älterer Baujahre vor 2020).
[27] CNN, 11./12.09.2025, „Brazil’s former President Jair Bolsonaro convicted of plotting coup, sentenced to over 27 years in prison“.
[28] BBC, 17.06.2021, „Peru election: Why has no winner been declared?“ (44.058 Stimmen, 0,25 Prozentpunkte).
[29] Reuters, 13.06.2021, „Peru’s Fujimori leads protest to annul votes as Castillo nears win“.
[30] El País English, 08.06.2021; New York Times, 04.07.2021, „Fraud Claims, Unproved, Delay Peru’s Election Result and Energize the Right“.
[31] Reuters, 01.07.2026, „Keiko Fujimori won the runoff election in Peru by fewer than 50,000 votes“ (49.641 Stimmen vor Roberto Sánchez, ONPE-Endauszählung); Al Jazeera, 30.06.2026; AS/COA, 01.07.2026 (Stichwahl 07.06.2026, Amtsantritt 28.07.).
[32] The Guardian, 20.05.2025, „Defeated Romanian ultranationalist ‘will ask court to annul election’“.
[33] Reuters, 22.05.2025, „Romanian top court rejects challenge to annul presidential election“; The Guardian, 22.05.2025 („unanimously rejected“).
[34] Politico Europe, 06.12.2024, „Romanian court cancels presidential election amid Russian influence fears“; Washington Post, 06.12.2024; Atlantic Council, 12.12.2024 (freigegebene Geheimdienstberichte zu TikTok/Telegram-Kampagne für Georgescu).
[35] CNN, 27.10.2026, „Flavio Bolsonaro lands in US after fleeing Brazil“ (Pässe annulliert, nach CNN Brasil); Washington Post, 27./28.10.2026 („in defiance of a judicial order“); NBC News, 28.10.2026 („has yet to concede“).
[36] New York Times, 26.10.2026, „Brazil Supreme Court Orders Flávio Bolsonaro to Hand Over Passports in Money Laundering Inquiry“; Folha de S.Paulo (engl.), 27.10.2026 (Kontaktverbot zu Anwalt Willer Tomaz, Geldwäscheverdacht; Ermittlung zum Film „Dark Horse“, mind. R$ 65 Mio. von Daniel Vorcaro/Banco Master; Frist 24 h).
[37] TIME, 27./28.10.2026, „Flávio Bolsonaro Flees to Miami After Brazil Election Loss, Defying Court Order“ (Fluchtgefahr-Begründung, Zitat „I have never thought about leaving the country“, Route Argentinien → Guayaquil → Miami-Opa Locka laut argentinischer Migrationsbehörde, Trump „would approve“, Lula „ato vergonhoso“ nach Agência Brasil).
[38] Dirección Nacional de Migraciones auf X (@Migraciones_AR), 28.10.2026, 2:01 Uhr (Einreise 27.10., 22:50 Uhr, Puente Internacional Tancredo Neves; Flávio, Fernanda, Carolina und Luiza Bolsonaro; „a las 23:30 hs, la comitiva ingresante abordó un vuelo privado despachado por la compañía Baires Fly S.A con destino a la ciudad de Guayaquil“; Start laut Clarín um 0:21 Uhr), zitiert im Wortlaut bei Clarín, 28.10.2026, und Ámbito, 28.10.2026; früheres Dementi der Behörde und Uhrzeit 2:01 nach La Nación, 28.10.2026, „El avión que esperó 24 horas en Puerto Iguazú“. PSA-Eskorte direkt aufs Rollfeld: TN, 28.10.2026 (eigenes Team vor Ort), Clarín, 28.10.2026. Mileis Wahlkampfauftritt mit Flávio Bolsonaro („socialistas ladrones“, „delincuentes socialistas“): El País, 25.07.2026; Euronews, 27.07.2026. Herabstufung der Beziehungen durch Brasilien: La Nación und El País, 05.08.2026. Keine Gratulation: Regierungssprecher Adrián Ravier, nach 0221 und TN, 26./27.10.2026.
[39] EFE via Infobae, 28.10.2026, „El papel del Gobierno de Milei en la fuga de Flávio Bolsonaro a través de Argentina“ (italienischer Pass; Anwalt Simón Levy auf A24: „Él … estuvo en parte de la coordinación de toda esta operación“; La Nación: Santiago Caputo in Misiones; Regierung schweigt; Opposition fordert Erklärung).
[40] CBS News, 28.10.2026 (State Department: Visa); Reuters, 28.10.2026, „Trump says he approves of Brazil’s Flavio Bolsonaro coming to US“.
[41] Siegmund: eigener Beitrag auf Instagram/X, 16.08.2026 (x.com/UlrichSiegmund/status/2088924971221348662, schriftliche Fassung: „Wir alle wissen, dass in einigen Einrichtungen in der Vergangenheit nicht immer alles dem Zufall überlassen wurde“); die zitierte Videofassung samt „Belegen kann man das nicht“ dokumentiert in rbb Kontraste, 27.08.2026, und n-tv, 01.09.2026; dass er selbst keine Belege habe, bestätigt auch die Pressemitteilung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), 17.08.2026. Chrupalla: ARD-Sommerinterview mit Markus Preiß, tagesschau24, 23.08.2026 (ARD-Mediathek); Wortlaut „wo der Stift sozusagen geführt wurde“ und „dass sie wieder abgeschafft gehört“ nach dpa (u. a. Frankfurter Rundschau, 23.08.2026) und FOCUS, 23.08.2026; laut ZEIT, 26.08.2026, nannte er auf Nachfrage keine Fälle.
[42] Landeswahlleiterin Christa Dieckmann, zitiert in DIE ZEIT, 24.08.2026, und rbb Kontraste, 27.08.2026 („Wenn Briefwahlunterlagen übersandt werden, wird ein Sperrvermerk im Wählerverzeichnis eingetragen, sodass keine doppelte Stimmabgabe möglich ist“).
[43] Eigene Prüfung anhand der Landeswahlordnung Sachsen-Anhalt (Stimmzettel: Ecke für Schablonen gelocht oder abgeschnitten; Faltung so, dass die Kennzeichnung nicht erkennbar ist) und der Angaben der Landeswahlleitung zu Wahlscheinnummern; Details der Aufnahme dokumentiert bei CORRECTIV.Faktencheck, 08.09.2026, „Video mit AfD-Stimmzetteln zeigt keinen Wahlbetrug in Sachsen-Anhalt“ (Name „Martin Fassbinder“ und Wahlscheinnummer „011416“ dreimal identisch), sowie dpa via Rheinische Post, 05.09.2026.
[44] Gnida Project auf X, 04.09.2026 („The latest Storm-1516 disinformation campaign is targeting Germany … mail-in ballots with votes for AfD … allegedly destroyed“); Julia Smirnova (Cemas) gegenüber CORRECTIV, 08.09.2026 („mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil der russischen Kampagne Storm-1516“).
[45] Bundesnachrichtendienst, 12.12.2025, „Öffentliche Attribuierung – Russische Föderation ist zentraler Akteur hinter dem Kampagnennetzwerk Storm-1516“; Auswärtiges Amt, Regierungspressekonferenz 12.12.2025.
[46] Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt, vorläufiges Endergebnis der Landtagswahl vom 06.09.2026 (AfD 43,8 %), nach Deutschlandfunk, 07.09.2026, und MDR, 07.09.2026.
[47] TVP World, 21.03.2026, „Trump endorses Orbán at start of CPAC Budapest“ (Milei, Weidel, Morawiecki; Babiš abgesagt).
[48] Hungarian Conservative, 11.02.2026, „Benjamin Netanyahu to Be Featured as Speaker at CPAC Hungary 2026“; Hungary Today, 19.03.2026.
[49] Jerusalem Post, 24.03.2026, Idan Kweller, „Netanyahu’s son speaks at Hungary’s CPAC conference, praises Orban“ (article-890988; AFP-Foto der Videobotschaft Netanjahus, 21.03.2026; Zitate Jair Netanjahu).
[50] Brussels Signal, 11.02.2025, „Israel’s Likud party joins Patriots.eu in European Parliament as observer“ (07.02.2025); Hungarian Conservative, 25.03.2025 („first observer member“).
[51] Patriots.eu auf X (@PatriotsEU), 05.02.2025: „After Washington, this week the delegation of Patriots headed by @jm_frias travelled to Israel to reinforce the transnational bonds with @Likud_Party“ (Dank an Ministerin Regev; markiert: Tertsch, Buxadé).
[52] Haaretz-Bericht, nachgedruckt bei Europe Solidaire Sans Frontières, 17.03.2025, „Israel’s Lost Taboo: How Netanyahu’s Party Is Officially …“ („The delegation also met with Likud ministers Chikli, Avi Dichter and Miri Regev“).
[53] Israel National News (Arutz Sheva), 04.02.2025, „Three European Parliament members visit Samaria: ‘Samaria is key to Israel’s security’“ (Buxadé, Martín Frías, Tertsch als Gäste von Yossi Dagan).
[54] Times of Israel, 30.12.2018, „The PM is again warning settlers of a ‘real threat.’ This time it may not work“ („Dagan helped establish My Likud, a pro-settlement campaign team within the right-wing party“); JDN, 30.11.2025, und Srugim, 27.11.2025, „Dramatischer Sprung auf 150 Mitglieder im Likud-Zentralkomitee“ (rund 8.000 Mitglieder, zweitgrößte Gruppe hinter der von Minister Chaim Katz); Arutz 7, 24.08.2026 (Dagan gründet für die Wahl 2026 die Mobilisierungszentrale „V26“ für das rechte Lager).
[55] Radio Europa Liberă (RFE/RL), 31.08.2023 (Kritik des Wiesenthal-Zentrums); Libertatea, 28.08.2023 (Treffen mit Botschafter Reuven Azar und Yossi Dagan); AUR-Pressemitteilung (partidulaur.ro), 28.08.2023.
[56] Times of Israel, 16.03.2025, „French, German officials opt out after Israel invites far right to antisemitism conference“; Times of Israel, 28.03.2025, „Right-wing politics take center stage at Israel’s controversial antisemitism confab“ (Bardella anwesend, 26.–27.03.2025).
[57] BBC, 17.01.2025, „Israel has changed since Donald Trump’s last term – has he?“ (Botschaftseröffnung Jerusalem Mai 2018, eine Woche nach dem Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen).
[58] New York Times, 25.03.2019, „Trump, With Netanyahu, Formally Recognizes Israel’s Authority Over Golan Heights“ („a valuable political gift to the prime minister two weeks before he faces voters“).
[59] Reuters, 03.02.2019, „Netanyahu’s Likud uses Trump photo in Israeli election billboard“; Forward, 05.02.2019.
[60] Al Jazeera, 22.06.2025 (Unterzeichnung im Weißen Haus, 15.09.2020).
[61] The White House, Executive Order 14203, 06.02.2025, „Imposing Sanctions on the International Criminal Court“ („baseless arrest warrants targeting Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu“); New York Times, 06.02.2025.
[62] Reuters, 25./26.06.2025, „Trump calls for Netanyahu’s trial to be canceled“ („should be CANCELLED, IMMEDIATELY, or a Pardon given“); NBC News, 26.06.2025 („WITCH HUNT“).
[63] Times of Israel, 12.11.2025, „Trump writes to Herzog asking him to pardon Netanyahu amid ‘unjustified’ trial“; CNN, 12.11.2025.
[64] Times of Israel, 28.10.2026, „Trump takes credit for Netanyahu’s election boost after endorsement“ (Endorsement 18.10.2026, „complete and total endorsement“); TIME, 19.10.2026; Jerusalem Post, 26.10.2026 (article-912847); AP via AOL, 26.10.2026 („Vote for Bibi Netanyahu for Prime Minister, we have to finish the job that we started!“; Iran-Krieg „launched jointly with Netanyahu in February“).
[65] AP via National Post, 28.12.2018, „Israeli PM visits Brazil ahead of Bolsonaro inauguration“ (Amtseinführung 01.01.2019). Besuch in Jerusalem: JNS, 01.04.2019, „In Israel, Netanyahu meets with Bolsonaro, who stops short of embassy promise“; Al Jazeera, 31.03.2019 (eine Woche vor der Wahl).
[66] Ynet News, 11.02.2026, „Brazil’s Bolsonaro sons visit Israel, vow embassy move to Jerusalem“; Israel Hayom, 31.01.2026.
[67] Bloomberg, 09.10.2026, „Netanyahu, Bolsonaro Vow Closer Israel-Brazil Ties If Both Win Elections“.
[68] Times of Israel, Liveblog 05./06.10.2026, „Netanyahu wishes Flavio Bolsonaro ‘great victory’ in final election round“ (Post von @IsraeliPM, 05.10.2026); Jerusalem Post, 10.2026 (article-911170).
[69] Haaretz, 12.06.2025 (Genesis-Preis, Staatsbesuch); Genesis Prize Foundation, 20.04.2026, „Netanyahu and Milei Sign Historic Isaac Accords“; Jerusalem Post, 26.11.2025 (Ankündigung Eröffnung Frühjahr 2026); The New Arab, 19.04.2026 (Reise zur Eröffnung).
[70] Times of Israel, 03.06.2024, „Argentinian president’s surprising devotion to Judaism and Israel provokes tension“ („has gone further in his support of right-wing Prime Minister Benjamin Netanyahu’s government than perhaps any other world leader“); Jewish Insider, 09.02.2024 (Hamas-Einstufung angekündigt); AP, 18.07.2024 (Wahnish Botschafter).
[71] Times of Israel, 11./12.10.2026, „Purported WhatsApp correspondence of Netanyahu’s key aide Jonatan Urich leaks online“ (Haaretz verifizierte den Leak; Urich droht mit Klagen); Haaretz, 11.10.2026.
[72] Snoop.ro, Okt. 2026, zweiteilige Recherche „Scurgere de informații: Comunicarea AUR trece prin Israel, între doi strategi ai lui Netanyahu, cu dosare penale“ und „‚Sper să nu ne afecteze colaborarea‘“ (Dokumente „AUR – TEMELE ZILEI 31 AUGUST“, „AUR_Professional_Government_Strategy_EN“; AUR-Stellungnahme; G4Media bestätigt die Presseanfrage); aufgegriffen u. a. von Ynet und The Seventh Eye; deutschsprachig: Matthias Monroy, digit.site36.net, 26.10.2026.
[73] Haaretz, 12.01.2026, „In First, Police Say ex-Netanyahu Party Adviser Einhorn Is a ‘Fugitive Criminal’ Facing Active Arrest Warrant“.
[74] BuzzFeed News, 20.01.2019, Hannes Grassegger, „The Unbelievable Story Of The Plot Against George Soros“ (nach Das Magazin, Tages-Anzeiger).
[75] BBC, 03.04.2025, „Hungary withdraws from International Criminal Court during Netanyahu visit“; The Guardian, 03.04.2025.
[76] The New Arab, 23.04.2026 (Ungarn blockierte im Februar 2024 zwei EU-Erklärungen zu einer humanitären Feuerpause vor dem Angriff auf Rafah).
[77] Politico Europe, 20.04.2026, „Orbán’s exit leaves Israel exposed in Europe“ (ungarisches Veto gegen Sanktionen gegen gewalttätige Siedler, Februar 2026, 26 von 27 Mitgliedstaaten dafür).
[78] Global Project Against Hate and Extremism, 15.04.2026 (Vance-Auftritt in letzter Wahlkampfwoche); Reuters, 14.04.2026, „Orban’s defeat topples a pillar of Europe’s far right …“.
[79] Foreign Policy, 12./29.04.2026, „Why Viktor Orban’s Fidesz Party Lost“; Center for American Progress, 29.04.2026.

